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Mars am 21. Okt. 2005  © Ralf Hofner
Mars 2005
 
- Krater, Berge und Wolken des Nachbarplaneten im Fernrohr -

   


Bebachtungen von Ralf Hofner am Intes-Micro 14"Maksutov-Newton der Volkssternwarte Radebeul
und am 'heimischen' Intes 6"Maksutov-Newton in Falkenberg (Elster).
Mars am 27. Okt. 2005  © Ralf Hofner

Nach der Rekordopposition des Mars Ende August 2003 (größte Erd-Annäherung seit über 36.000 Jahren!) stand im Herbst 2005 nun für mitteleuropäischen Gefilde eine gute Beobachtungsmöglichkeit ins Haus. Dies ersparte nicht nur Reisekosten ;-), sondern brachte noch zwei weitere Vorteile gegenüber den seinerzeitigen Beobachtungen auf La Palma mit sich:
Zum einen stand der römische Kriegsgott 2005 bei uns so hoch am Himmelszelt wie 2 Jahre zuvor auf den Kanarischen Inseln und konnte man ihn nicht nur während eines zeitlich recht begrenzten Astrourlaubs, sondern daheim über einen längeren Zeitraum beobachten.
Zum anderen ist das Seeing auf La Palma durch den ständig wehenden Passatwind und die damit verbundenen Luftverwirbelungen zwischen Meer, Roque, Caldera und Cumbre-Bergen oft sehr schlecht - stabile, windstille Hochdruckwetterlagen mit perfektem Planeten-Seeing gibt es auf La Palma, Teneriffa & Co nicht.
Ganz anders dagegen im brandenurgischen Tiefland: hier muss man zwar im Jahresschnitt deutlich mehr Bewölkung in Kauf nehmen als im Seegebiet vor der Sahara, aber dafür gibt es im HTT-Land quasi 'als Entschädigung' immer wieder mal herrlich ruhige und garantiert passatwolken- und passatwindfreie ;-) Hochdruckgebiete. Und gerade der Herbst 2005 war dann bis Mitte November hinein (!) bei uns ungewöhnlich mild und wolkenarm - herrliche Fotosequenzen sind daher nachfolgend auf dieser Seite zu sehen.

Die Marsoppositionen 2003 - 2020

 Datum  scheinb. Durchmesser
 27. Aug. 2003
 30. Okt. 2005
 18. Dez. 2007
 29. Jan. 2010
  3. Mrz. 2012
  8. Apr. 2014
 22. Mai  2016
 27. Juli  2018
 14. Okt. 2020
 25,11"
 20,17"
 15,88"
 14,10"
 13,89"
 15,16"
 18,60"
 24,31"
 22,56"

Als erstes eine Bilderserie vom 23. Sept. 2005 - der Mars ist hier noch mehrere Wochen vom Oppositionszeitpunkt entfernt und zeigt eine deutliche Phase. Interessant ist außerdem die ins Bild hineinrotierende Südliche Polkappe - die kleine, auch den Marssomer 'überlebende' Wassereisinsel liegt nicht genau am Pol, sondern merklich dezentral und ist somit im ersten Bild links nur knapp am Horizont zu sehen. Am rechten Rand der Planetenkugel werden allmählich die Regionen HELLAS und SYRTIS MAJOR sichtbar, sie bilden zusammen das - in Farbe und Helligkeitsdifferenz - kontrastreichste Gebiet auf dem Mars und sind selbst in dieser Randlage hier bereits ein Blickfang. - In der Gegenüberstellung rechts sieht man bei gleicher Äquivalentbrennweite die Änderung des Mars-Anblicks im Fernrohr (Abnahme der Phase + Zunahme des scheinbaren Durchmesssers) vom 23. September bis zur maximalen Erdannäherung am 27. Oktober 2005, also innerhalb von nur 5 Wochen. - In diesen Bildern ist Norden unten, in den nachfolgenden dann jeweils oben.


Die Region mit dem gewaltige Marsvulkan Olympus Mons und Solis Lacus - deutlich wird auch hier das "trockene" Marswetter in den Wochen der Opposition 2005, denn der hohe Gipfel des Olympus Mons zeigte sich nur für wenige Tage Anfang November etwas wolkenumhüllt.

Mars im Sechszöller.

Diese Aufnahmeserie entstand in Falkenberg (E.), also im südbrandenburgischen Tiefland. In Radebeul steht zwar ein hochklasiges 14"-Teleskop auf einer malerisch gelegenen Weinbergsternwarte zur Verfügung , doch seeingtechnisch ist dieser Standort durch seine Gebirgs(rand)lage gerade bei Süd-, Südwest- und Westwind-Wetterlagen sehr nachteilig: Gebirgsfallwinde 'verquirlen' sich mit den Luftmassen über dem Dresdner Talkessel erzeugen oft ein extrem fimmriges Fernrohrbild.
In mehreren Beobachtungsnächten bin ich daher ins heimi- sche Südbrandenburg 'geflüchtet' - auch dort meist südlicher Wind (der eben häufig im 2005er Herbst die Wolkenbänder aud Nordwest fernhielt), aber in 70 km Distanz zu den Gebirgen strich dieser Wind ruhig und gleichmäßig über die 'glatten' Böden der Tiefebene.
Leider stand dort zu diesem Zeitpunkt als Kombination nachgeführte Montierung + hochwertige Optik nur max. ein Sechszöller zur Verfügung (einige Jahre später sollte sich dies dann mit dem Bau der Elsterland-Sternwarte ändern), doch auch dieser Spiegel mit 'nur' 152mm Öffnung lieferte bereits phantastische Bilder...


die interessante 6"- Bilderserie animierte mich, eine erste (Teil)Karte der Marsobefläche anzufertigen.
Weitere Erläuterungen zum Inhalt der Aufnahmen, insbes. der Polhaubenstrukturen des Planeten, siehe unten.




Es ist schon sehr bemerkenswert, dass mit den heutigen Amateurmitteln man eine Fülle von Kratern und Bergmasiven auf Mars nachweisen und somit der Nachbarplanet bereits in kleineren Instrumenten detaillierter studiert werden kann, als es vor noch gar nicht so langer Zeit auf ausschließlich visuellem und chemisch-fotografischem Wege selbst mit den größten Himmelskanonen der Erde möglich gewesen ist...


Interessant ist natürlich auch die Dokumentation (incl. historischem Vergleich) langfristiger (windbedingter) Veränderungen von Albedostrukturen auf dem Mars:


Neben einigen jahreszeitlichen, immer wiederkehrenden Schwankungen (z.B. im Pandorae Fretum) sind auch längerfristige Oberflächenveränderungen auf Mars zu beobachten. Stürme lagern immer wieder dunkle oder helle Staubteilchen großflächig um: hier zu sehen Vergleiche von eigenen Bildern 2005 mit einer Aufnahme des Hubble Space Telescopes von 1990, sowie unten mit einer Serie älterer Fotos vom Lowell Obersvatory (aus dem International Planetary Patrol Program), die sehr interessante Variationen im Gebiet der Großen Syrte zeigen - schau'n wir mal, welche Entwicklungen wir bei künftigen Mars-Oppositionen zu sehen bekommen...


In dieser Nacht erreichte der Mars in dieser Opposiotionsperiode seine geringste Entfernung zur Erde (69,42 Mio. km) und sie begann zunächst sehr hoffnungsvoll. Der 14" Maksutov in Radebeul zeigte bereits am frühen Abend beim noch sehr tiefstehenden Planeten viele Details (linkes Bild, rechts oben ist das Bergmasssiv des Olympus Mons zu erkennen), 2,5 Std. vor der Kulmination (!!) bei noch unter 30° Höhe über dem Horizont zeigten sich in der Marsoberflächezahlreiche bereits eine Unmenge kleiner Strukturen (mittleres Bild) ... doch dann wurde es leider ein 'Lehrbeispiel' für die Seeing-Problematik von Standorten im Gebirge bzw. in Gebirgsnähe:
Ich freute mich auf den Höchststand des Planeten gegen 01. oo Uhr MESZ Uhr - doch dann kam vor Mitternacht ein leicht böiger Südwind auf: in einer Tief- (oder Hoch-Ebene) irrelevant, in Radebeul bei Dresden bedeutete dies: Erzgebirgsföhn - der sich mit der Luft im Dresdner Talkessel vermischte - und ein von Minute zu Minute schlechter werdendes Seeing verursachte. Das Bild rechts um 0:38 UT entstand aus der letzten einigermaßen brauchbaren Videoserie, mit der DMK war trotz 1/125 sec Belichtungszeit nichts mehr zu machen...
Auch dem freien Auge offenbarte sich der Seeing-Qualitätsumschwung: hatten am frühen Abend die helleren Sterne ganz ruhig am Himmel gestanden und kaum geflimmert, funkelten sie nun sehr intensiv und farbenprächtig...
Etwas frustriert trat ich die Heimreise ins Brandenburgische an, daheim zwar auch Südwind, der aber - gleichmäßig und ruhig über weite ebene Flächen streichend - das Seeing nicht beeinträchtigte. Leider stand mir eben damals (wie oben bereits erwähnt) hier nur parallaktisch montiert ein kleiner Sechszöller zur Verfügung...

Bezüglich der Seeing-/Standort-Problematik nachfolgend der Vergleich der Oppositionen 2003 auf La Palma und 2005 in Mitteleuropa:


Trotz der oben beschriebenen Seeing-Probleme auf La Palma ist die Gegenüberstellung der Bilder beider Opppositionen sehr interessant, insbesondere durch die deutlich veränderte Position der Rotationsachse des Planeten zu Sonne + Erde: jahreszeitliche Veränderungen (z.B. Albedostruktur Pandorae Fretum oder auch die bläuliche Polhaube im Norden) fallen dem erfahrenen Planetenbeobachter sofort ins Auge...


Reizvoll ist natürlich auch ein Vergleich der eigenen Bilder mit früheren Profiaufnahmen an wesentlich größeren Instrumenten (!) und etwas grö0erem scheinb. Mars- Durchmesser: links eines der ersten Mars-CCD-Bilder vom Pic du Midi, der berühmten französischen Sternwarte in den Pyrenäen - und rechts eines der besten und vermutlich auch letzten chemischen Marsbilder des US-amerikanischen Keck Observatory auf dem Mauna Kea (Hawaii).

Dabei lassen sich einerseits eigene Beobachtungsergebnisse überprüfen, zum anderen verdeutlichen diese Bilder welch gewaltigen Sprung die Astrofotografie - innerhalb von knapp 2 Jahrzehnten - im Computerzeitalter gemacht hat: heute können Hobbyastronomen mit vergleichsweise sehr kleinen Instrumenten Aufnahmen gewinnen, die mühelos an die Ergebnisse von Forschungseinrichtungen, selbst noch in der CCD-Anfangszeit, heranreichen.


Zum Marswetter:
Im Jahre 2005 erlebten wir einen meteorologisch trockenen, ruhigen und warmem Mars ('warm' bezügl. dortiger Bedingungen): es waren nur schwache Vulkan- gipfelwolken in Tharsis (siehe oben) und auch sonst wenige Wolken, recht geringer Randdunst, und nur ein einziger Sandsturm während der oppositionsnahen Monate zu beobachten (siehe nachfolgende Bilderserie unten):


Alle Bilder wurden mit dem Sony Camcorder DCR-TRV30E aufgenommen, die Summenbilder entstanden durch Mitteln von über 6.ooo Frames. Im weitrern nun die Erläuterung der in den Bildern gekennzeichneten Details:
1 - kleiner, zunächst nur lokaler Sandsturm, erstmalig von mir am 13. Okt. beobachtet, hatte sich zunächst beruhigt und war auf den Fotos des 16. Okt. (untere Bildreihe) nicht mehr zu erkennen. Ende Oktober lebte der Sturm wieder auf, hüllte große Teile der Chryse-Region ein, wuchs jedoch nicht zu einem globalem Staubsturm heran. (die Sturmentwicklung Ende Oktober/Anf. November war von Europa aus unsichtbar, wurde aber von amerikanischen Beobachtern und vom HST verfolgt).
2 - die typische atmosphärische Dunkelzone am Rande der Polarhaube.
3 - großes Wolkenloch in der Nordpolarhaube.
4 - bläulicher Randdunst an der Morgenseite - auch die 2005er Opposition zeigte uns einen rel. perigelnahen und somit "warmen" Mars, blaue oder gar weisse Wolken waren in der Mitte des Planeten (sprich bei höherem Sonnenstand auf Mars) nicht zu sehen, selbst die hohen Vulkane zeigten nur selten Wolkenschleier an ihren Gipfeln, siehe vorhergehendes Bild (Olympus Mons + Tharsis-Vulkane).


Bemerkenswert waren die Strukturveränderungen in der entstehenden Nordpolarhaube, sie war an ihrer südlichen Peripherie teilweise dünn, besaß größere Wolken- löcher und wurde - durch den die Atmosphäre etwas erwärmenden Chryse-Sandsturm - im November schließlich weit zurückgedrängt, denn physikalisch bedingen die Marstürme eine entspr. Reibung der aufgewirbelten Staubkörner (untereinander sowie mit den Gasmolekülen), so dass die damit verbundene leichte Temperatur- erhöhung die atmosphärischen Kondensationsprozesse in den hohen Mittelbreiten des Planeten (zeiteilig) rückgängig macht.


Die Marskarte 2005 - erstellt aus den Beobachtungen in Radebeul bei Dresden und Falkenberg (Elster) - im gebirgsnahen Radebeul gestattete das Seeing an einigen Tagen am 14"MN keine hochaufgelösten Bilder, so dass nur unter Einbeziehung des 6" Maksutov-Newton in Falkenberg eine komplette Marskarte erstellt werden konnte, die geringer aufgelösten Abschnitte resultieren aus den mit der kleineren Optik entstandenen Summenbilder.

Nachfolgend zwei interessante historische Bezüge zur Kartografie unseres Nachbarplaneten:


Giovanni Schiaparelli (* 14. März 1835, † 4. Juli 1910) wurde im Jahr 1877, als der Mars eine günstige, erdnahe Opposition erreichte, durch seine 'Entdeckung' der vermeintlichen Marskanäle ("Canali") weltbekannt. Zunächst hatte er an Meerengen gedacht, seine Zeichnungen von 1877 und 1878 wirken auch noch einigermaßen realistisch und können an vielen Stellen als Kontrastlinienphänomen - Verschmelzung von aneinander gereihten Punkten zu Linien (z.B. Ketten von kleinen, mit dunklen Vulkanstaub gefüllten Kratern und dunklem Felsgestein...) - erklärt werden - siehe dazu z.B in seiner Zeichnung und meinem Foto (links) die jeweils in der Bildmitte von Sinus Meridiani ausgehenden Strukturen...
Doch in spätereren Oppositionsjahren zeichnete er (wie auch P. Lowell) dann verworrene Netze absolut gerader (und z.T. parallel verdoppelter) Linien, die man teilweise als reine Fantasieprodukte einstufen muss, siehe dazu hier und hier.

Eugène Antoniadi (* 10.03.1870, † 10.02.1944) gilt dagegen zu Recht als einer der besten visuellen Mars-Beobachter und -Zeichner aller Zeiten.
Anfänglich war auch er ein Befürworter der angeblichen Marskanäle, doch seine Beobachtungen mit dem 83-cm-Refraktor des Meudon-Observatoriums in Paris während der Marsopposition von 1909 brachten ihn zu der Überzeugung, dass es sich bei den Kanälen um optische Täuschungen handeln müsse, hervorgerufen u.a. durch kleinere punktförmige Strukturen, die bei schlechterem Seeing linienartig zusammenschmelzen. [vergl. hier]
Zu Lebzeiten Schiaparellis und Lowells fertigte er eine visuelle Marskarte an, die mit ihrer Exaktheit geradezu bestechend ist: man kann bei genauer Betrachtung fast alle Details auch unten im modernen Videosummenbild wiederfinden - an einigen Stellen, wo es Abweichungen gibt, möge man die (marssturmbedingten) gelegentlichen Veränderungen der Oberflächenstrukturen berücksichtigen...


Nachfolgend nun die Zusammenstellung eines fotografischen Rundumblicks der Mars-Opposition 2005, absichtlich diesmal in umgekehrter (also Süd-Nord-) Orientierung, da dieser Anblick vielen visuellen Beobachtern vertrauter ist:


Diese Bildauswahl stellt nur einen Teil des gewonnenen Bildmaterials dar, denn von August bis weit in den November 2005 hinein herrschten an vielen Abenden sehr gute visuelle + fotografische Beobachtungsbedingungen. Dieser Planetenherbst bleibt unvergesslich - noch nie hatte ich soviele Details auf Mars sehen und abbilden können. - Beeindruckend auch, was bereits ein "kleiner" (allerdings optisch perfekter) Sechszöller zu leisten vermag, mühelos stellt er im Zeitalter der digitalen Bildgewinnung und -bearbeitung die früheren Arbeiten an Forschungssternwarten in den Schatten - selbst die chemischen Fotos am großen 5-Meter-Palomar-Spiegel können mit ihm kaum mithalten...


Die letzten detailliertren Marsbeobachtungen dieser Saison erfolgten dann im Januar und Februar 2006:


Gut erkennbar ist im linken Bild der Spätsommer auf der Südhalbkugel (oben), während das untere, nördliche Polargebiet von den blauen Wolken und Nebeln der Polarhaube eingehüllt ist. Unter dieser Haube entsteht durch Ausfrieren gerade die neue Noprdpolkappe (NPC), welche im Bild rechts vom 1. Februar dann sichtbar hervortritt. Gleichzeitig wird der gegenüberliegende Südpol des Mars nicht mehr von den Sonnenstrahlen erreicht, hier beginnt nun in der Polarnacht die Entstehung der südlichen Polarhaube...


Weiterführende Links:
Mars 2003 - Beobachtungen auf den Kanaren.
Mars 2007
Mars: Beobachtungstipps              ... und hier geht es zurück zur Übersichtsseite Beobachtungsevents + Expeditionen.

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