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Sternwolken + Dunkelnebel
Eine kleine Auswahl interessanter Strukturen in der Milchstraße

Im September wandert die Sonnenkugel vom Löwen zur Jungfrau und bewegt somit in großer Entfernung zum Sternenband unserer Galaxis. Daher kann man auf dem HTT in einer Nacht die gesamte hierzulande sichtbare Milchstraße beobachten: abends zunächst das Galaktische Zentrum im Schützen und morgens stehen lange vor Sonnenaufgang Orion und Großer Hund schon recht hoch über dem Osthorizont. Ein erster Blick zu M 42, Pferdekopf & Co - und das bei noch spätsommerlich - angenehmen Temperaturen...

Doch zunächst gilt am Abend die ganze Aufmerksamkeit dem Südhorizont:

Weitere Infos hier. 


Im Sternbild Schütze (Sagittarius) befindet sich das Zentrum unserer Galaxis, wobei wir den eigentlichen Kern nicht sehen können - einerseits behindern mächtige Dunkelwolken die Sicht - zum anderen liegen zwischen dem Milchstraßenkern und unserem (schon recht weit außerhalb positionierten) Sonnensystem mehrere Spiralarme der Galaxis.

Betrachtet man im Bild die Anordnung der vielen kleinen und größeren Dunkelnebelelemente, erkennt man - mit ein wenig räumlichem Vorstellungs- vermögen - sehr gut den inneren Strukturaufbau unserer Milchstraße:
Zunächst fällt der Blick auf das mächtige, zentrale, linear verlaufende Staubband, welches den Galaxis-Kern fast komplett abschirmt. Nur vom östlichen Randbereich dieses Kerns ist etwas zu sehen, dessen Intensität läßt die Helligkeit des Milchstraßenzentrums erahnen.
Im weiteren sieht man ein äußeres, elliptisch angeordnetes, schwächeres Dunkelnebel- band - vom Antares-Gebiet nach Süden verlaufend, östlich am Hasen (Lupus, Sternbild ganz rechts unten) vorbei, der südliche Scheitelpunkt liegt unterhalb des Bildes, in der Mitte des unteren Bildrandes kommt das Staubband wieder zum Vorschein und strebt dann an der östlichen Peripherie des Schützen vorbei nach Norden...

Leider erhebt sich diese hochinteressante Region in unseren Breiten nur wenig über den Südhorizont.
Doch wenn das Wetter uns klare, frische Kaltluft aus nördlichen Breiten oder trockene Festlandsluft aus Ost/Südost heranbringt... der Himmel tagsüber tiefblau ist und die Sonne abends nicht rot oder orange, sondern hellgelb untergeht... hat man auch in Horizontnähe recht gute Sicht und dann ist ein Blick zur Sagittariuswolke für Astronomenaugen eigentlich Pflicht.
 
Am 15. September endet um 21:13 Uhr MESZ über dem HTT die astronomische Dämmerung - die Sagittarius-Wolke hat dann gerade den Meridian passiert, Skorpion und Jupiter stehen bereits tief im Südwesten...
Man kann aber schon eine reichliche halbe Stunde vorher (also bei Ende der Nautischen Dämmerung... und Filter-bewaffnet vielleicht noch etwas früher) auf Nebel-Pirsch in der wohl interessantesten Region des Himmels gehen.

Der Skorpion ist sicher im späten Frühjahr am günstigsten zu beobachten, dann kulminiert er vor dem Einsetzen der Morgendämmerung. Für den Schützen jedoch ist in der Zeitraum August bis Mitte September optimal, wenn die hellen Sommernächte vorüber sind.

Die markantesten und bei sehr klarer Luft auch von Mitteleuropa aus schon mit freien Auge sichtbaren Objekte sind:

- M   8 - der Lagunennebel
- M 24 - die Kleine Sagittariuswolke und evtl.
- Barnard 59/65-67/77/78 - der dunkle Pfeifennebel.

Kurze Beschreibungen sowie Aufsuchkarten für diese und weitere Objekte in den Sternbildern Schütze und Skorpion findet man  HIER
Im Milchstraßenband, dem größten aller Deepsky-Objekte, fällt nördlich des Schützen schon unter mittelmäßigen Bedingungen eine sehr kräftige, kompakte Aufhellung auf - die Schildwolke (links nicht zu sehen, sie befindet sich knapp unterhalb des Bildausschnitts, ist aber am Himmel schnell zu finden).

Verfolgt man den Verlauf des galaktischen Sternenbandes weiter nach Norden, so zeigt es sich im Adler zunächst schwächer, um dann im Schwan wieder zu einem stark strukturierten und auffälligen Blickfang zu werden.
Wir schauen hier entlang unseres Spiralarmes genau in die Flugrichtung der Erde bei ihrem Umlauf um das Milchstraßen- zentrum! Das riesige Dunkelband, welches auch bei vielen anderen Edge-On Galaxien zu beobachten ist, teilt hier die Milchstraße besonders kontraststark in zwei ungleiche Hälften. Für das gesamte Dunkelband in diesem Bereich hat sich der Name "Great Rift" eingebürgert.

In diesem Sternbild ist entlang des Halses vom Schwan bis zu seinem Schwanzstern Deneb der Hell-dunkel-Kontrast beeindruckend deutlich und wird in guten Nächten durch die Sichtung des Nordamerikanebels am Nordrand des Great Rift mit dem bloßen Auge gekrönt.

In Richtung Cepheus und Cassiopeia verliert nun die Milchstrasse schnell wieder an Glanz, ist aber weiterhin gut bis zum Nordhorizont zu verfolgen.
Das Sommerdreieck über dem südbrandenburgischen Kiefernwald (oben),
sowie das 42"-Dobson mit Plejaden, Hyaden und Wintermilchstraße (unten).

Zwei Aufnahmen vom HTT 2006 - jeweils ~ 1 Minute ohne Nachführung mit der Canon 20D bei ISO 1.600 belichtet, Bearbeitung mit Fitswork und Photoshop.

© Ronny Harzer + Ralf Hofner

Am Morgenhimmel kündigt sich der Winter durch die nun schon hoch stehenden Plejaden an und auch der Orionnebel läßt sich vor Beginn der Dämmerung schon gut freisichtig beobachten.

Von Norden kommend ist die Milchstraße im Perseus noch recht unauffällig, wird aber im Sternbild Fuhrmann wieder gut sichtbar. Im Vergleich zur Sommermilchstraße ist sie in den Wintersternbildern weit weniger hell und auch vergleichsweise strukturarm: man vergleiche die beiden etwa gleich belichteten Aufnahmen links!

Dafür läßt sich beim Betrachten der winterlichen Milchstraße die 3. Dimension - die Tiefe des Raumes - sehr anschaulich anhand der Hyaden im Stier und der Praesepe M 44 im Krebs erahnen.
Beide Sternhaufen liegen in unserer Galaxis schon etwas weiter draußen als das heimatliche Sonnensystem und bewegen sich gemeinsam mit der Sonne im Orion-Arm um das Milchstraßenzentrum. Dabei liegen die Hyaden mit uns etwa gleichauf, während M 44 in einiger Distanz folgt.

Dies ist auch wunderbar freisischtig durch ihre Ausdehnung am Himmel nachvollziehbar und vor dem blassen Band der Milchstraße ergibt sich mit diesem Hintergrundwissen ein beeindruckendes Bild unserer kosmischen Nachbarschaft mit Tiefenwirkung.

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